Im Laufe der letzten Jahre hat sich ein europäisches Netzwerk von Tierschützern entwickelt. Das gemeinsame Ziel: Verbreitung des Schicksals der Windhunde und deren Rettung. Als ein Teil dieses Netzwerkes unterstützt die GALGO-HILFE e.V. unter anderem auch den polnischen Tierschutz.
Die polnische Windhundliebhaberin und Windhundretterin Anja bittet uns häufig um Unterstützung. Wenn die junge Frau durch Polen fährt und hilfebedürftige Langnasen (Windhunde) entdeckt, für die sich in Polen selbst keine Lösungen finden lassen, dann meldet sie sich bei uns mit Hilferufen wie diesem:
„Hier lebt, nein vegetiert, ein kleines, älteres Whippetmädchen in einer Scheune. Bisher war sie ihrem Besitzer für eine zweifelhafte Zucht nützlich. Sie wirkt sehr verschreckt. Mir wurde berichtet, dass sie nun nicht mehr gebraucht wird. Was können wir tun?“
Whippets sind in Polen eigentlich gern gesehen, „neue Whippets“ wohl gemerkt – aber alte, „gebrauchte“ Whippets? Dafür findet sich in Polen kein Platz.
Die GALGO-HILFE e.V. unterstützt die ehrenamtlich agierende Tierschützerin. Wir sind uns schnell einig: Whippetdame Sonja wird einen ihr würdigen Platz und eine liebe Familie in Deutschland finden. So wie bereits die Whippets Rhodos & Fredo und Chart Polskimix Benito ein wunderbares Zuhause in Deutschland gefunden haben. Sie wurden in einem Tierheim in der Nähe von Kattowitz abgegeben. Da dieses ständig überfüllt ist, ist die Tierheimleitung froh, wenn sie einzelne Hunde in kompetente Hände weitergeben kann.
Polen liegt im Herzen Europas – wie Spanien, ein Land der europäischen Union. „Warum nun auch noch Hunden aus Polen helfen?“, werden Sie sich vielleicht fragen. „Und wieso gibt es eigentlich Windhunde in Polen?“
Der Chart Polski gilt seit dem 13. Jahrhundert als traditioneller Windhund Polens. Ähnlich wie in Spanien der Galgo Español, war er der Hund des Adels. Seine Zucht war dem Klima und den Bedingungen Polens angepasst und wurde ausgerichtet für die Jagd zu Pferde auf Füchse, Rehe, Kraniche und auf Wölfe.
Um die Wilderei zu verhindern wurde 1946 das Halten und die Jagd mit Windhunden in ganz Polen verboten und so galt nach dem Zweiten Weltkrieg der Chart Polski als ausgestorben.
In den siebziger Jahren begannen polnische Kynologen mit dem Wiederaufbau der Rasse. Heute wird mit dem Chart Polski gerade in den armen Gegenden immer noch unerlaubt gewildert. Die Wilderer züchten agile Windhunde meist aus polnischen oder russischen Rassen wie Chart Polski oder Chortaj, gekreuzt mit dem schnellen Greyhound aus Großbritannien.
Ophelia zum Beispiel, stammt aus so einer Gegend. Ophelia wurde von Privatleuten an einer Tankstelle in Ostpolen streunend aufgegriffen. Die tierlieben Menschen nahmen den verwahrlosten Hund auf. Sie informierten das Forum und das Rettungsnetz fing Ophelia auf: Sie lebt heute sorgenfrei in Minden.
In Polen ist die Windhundproblematik der spanischen ganz ähnlich: Viele der Hunde werden in ärmeren Gegenden als Nutztiere für illegales Jagen gehalten. Auf der anderen Seite symbolisiert der Windhund Reichtum: möglichst große Rudel, edle Zuchttiere, diese gerne aus dem Ausland und protzige Aufmachungen– dabei handelt es sich auch um Windspiele, Whippets und Barsois.
Beide Arten der Hundehaltung haben eines gemeinsam: Wird man der edlen Hunde überdrüssig, wird sich ihrer entledigt. Sie werden ausgesetzt, getötet oder in einem der elenden Tierheime Polens abgegeben, und sie sind damit für immer verloren. 1997 ist zwar das polnische Tierschutzgesetz in Kraft getreten, aber immer noch wird ein Großteil der Hunde in Polen, vor allem auf dem Land, als Wachhunde an Ketten oder in engen Zwingern gehalten.
So auch Donsoya. Über das polnische Windhundforum wurde eine unsere Helferinnen, Benita Vauth, auf Donsoya aufmerksam. Ein Pole wollte die Windhündin abgeben, da sie seinen Ansprüchen nicht gerecht wurde. Donsoya streunte lieber durch die Felder, als Haus und Hof vor Eindringlingen zu schützen. Das brachte ihren Besitzer so in Rage, dass er sie schlug und so schnell wie möglich loswerden wollte. Dank unseres polnisch-deutschen Netzwerkes fanden wir eine Familie, die bereit war, Donsoya einige Zeit bei sich zu beherbergen. Man stellte fest, dass Donsoya einen großen Bluterguss am Brustkorb hatte. Die engagierten Helfer vor Ort haben der anfänglich völlig verwirrten und ängstlichen Hündin wieder Selbstvertrauen geben und sie stabilisieren können, so dass Donsoya drei Wochen später nach Deutschland in eine Pflegestelle der GALGO-HILFE e.V. ziehen konnte. Heute lebt Donsoya glücklich mit ihrer Familie im Ruhrgebiet. Nur die panische Angst bei Schussgeräuschen erinnern noch an ihre schlimme Vergangenheit.
Ein Beispiel für vergangenen Glanz ist Masza, eine Barsoihündin mit edlen Vorfahren, vielen Preisen und Auszeichnungen. Ihre Familie verlor an Besitz und musste in eine der polnischen Plattenbauten ziehen. Als die Hündin schwer erkrankte, konnte ihre Familie dies finanziell nicht tragen und schon war die einfachere Lösung der Einschläferung gefunden. Auch ihr edler Stammbaum konnte Masza nun nicht mehr helfen, niemand will in Polen aufwendige OPs bezahlen. Das wollte Anja nicht zulassen und sie startete einen Hilferuf, über welchen Maszas OP von Deutschland aus finanziell getragen werden konnte. Heute genießt Masza ihr Leben zusammen mit einem Galgo Español in Dresden.
Ein weiterer Hilferuf aus dem polnischen Windhundforum:
Windhundfreunde hatten einen alkoholkranken Mann mit einem Chart Polski Rüden gesehen, der seinen Hund immer wieder brutal misshandelte. Mit dem Wissen der Unterstützung der GALGO-HILFE e.V. konnten die polnischen Windhundfreunde ohne lange Überredungskünste dem Mann „den unnützen Hund“ abschwatzen! Ein Glück für Jimi, der sich sein unkompliziertes und nettes Wesen bewahrte und in kurzer Zeit ein schönes Zuhause in Deutschland finden konnte.
Dank der guten Kontakte die sich durch das polnische Windhundforum entwickelt haben, kann also einigen Hilferufen polnischer Tierschützer nachgekommen werden. Die positive Entwicklung des Tierschutzes zeigt sich auch darin, dass die Polen heute über Tierschutzforen Hilfe aufsuchen, sie werden beraten und aufgeklärt, während die Menschen früher ungewollte Hunde einfach ausgesetzt oder getötet haben. In Polen ist der Windhund für die illegale Jagd sehr gefragt, die Zucht von Windspielen und Whippets sehr beliebt. Entsprechend viele Tiere sind in Not und suchen über das Internet ein Zuhause.
Durch eine zunehmende Aufklärung interessiert sich auch die polnische Bevölkerung mehr und mehr für das Leid der Hunde im eigenen Land. Inzwischen finden sich immer mehr Polen, die bereit sind einen „Second Hand Hund“ aufzunehmen und zu adoptieren.
Bei der Vermittlung eines Hundes achten unsere polnischen Freunde auf ordnungsgemäße Schutzverträge. Die Hunde werden nur geimpft, kastriert, gechipt und gegen eine Schutzgebühr abgegeben. Mit verantwortungsvoller Hilfe vor Ort helfen auch wir gern Leben zu retten und Zukunft zu ermöglichen.
So haben wir auch Dotti, Eibert, Denzel und Schali, ein „Unfall” zwischen Whippet und Greyhound, eine Zukunft ermöglichen können. Der Wurf war weder geplant, noch gewollt, aber die Welpen waren nun auf der Welt und Hilfe erfreulicherweise gewünscht. Früher wurde so ein Unfall hinter der Scheune im Wasserkübel entsorgt. Heute kann geholfen werden. In Polen haben Mixe keine Chance, schon gar nicht im letzten Zipfel Polens. Wir wollten ein Töten der Jungtiere verhindern und haben Hilfe zugesagt. Im Gegenzug erklärten sich die ehemaligen Eigentümer sofort damit einverstanden, die Eltern der Welpen kastrieren zu lassen.
Der Tierschutz in Polen hat bereits gewaltige Schritte nach vorn gemacht.
Aber es ist weiterhin viel Aufklärung und vor allem anhaltende Unterstützung notwendig.
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